Der First-Party-Data Guide für Marketer
Wir hören schon seit Jahren, dass Daten das neue Öl sind. Doch genau wie Sie kein Rohöl direkt in Ihr Auto tanken können, ohne es vorher zu raffinieren, gilt das Gleiche für Daten: Sie müssen sorgfältig aufbereitet werden, um ihren vollen Wert zu entfalten. Und während sich die Marktlandschaft weiterentwickelt, verändern sich auch die Herausforderungen für Marketer.
Insbesondere der Datenaustausch zwischen verschiedenen Unternehmen steht unter strenger Beobachtung, was es immer schwerer macht, Daten von Drittanbietern zu beziehen. Um diesen Signalverlust auszugleichen, ist es an der Zeit, First-Party-Daten auf ein neues Level zu heben.
Willkommen beim First-Party-Data Guide für Marketer.
Das erwartet Sie in diesem Guide
Dieser Guide bringt die entscheidenden Aspekte von First-Party-Daten auf den Punkt – aufgeteilt in sechs konkrete Handlungsfelder:
- Aktivieren Sie Ihre Daten gewinnbringend extern: Nutzen Sie First-Party-Daten gemeinsam mit externen Partnern – von maßgeschneiderten Custom Audiences bis hin zu Commerce Media Networks.
- Verstehen Sie das Fundament von First-Party-Daten: Bringen Sie Klarheit in Ihre Daten: Was macht First-Party-Daten aus, welche Typen gibt es und wo liegt der entscheidende Unterschied zu Third-Party-Daten?
- Erkennen Sie die wachsende Relevanz: Durchschauen Sie, wie strengere Datenschutzgesetze, Plattform-Updates und veränderte Nutzererwartungen das digitale Marketing neu definieren.
- Sammeln Sie First-Party-Daten nutzerfreundlich & konform: Meistern Sie rechtliche Vorgaben, Plattform-Regeln und UX-Design – inklusive Best Practices für eine nahtlose Datenerhebung.
- Halten Sie Ihre Daten sauber und einsatzbereit: Sichern Sie höchste Datenqualität durch die passenden Tools, eine glasklare Taxonomie, regelmäßige Pflege und nahtlose Team-Workflows.
- Schöpfen Sie das volle Potenzial intern aus: Treiben Sie Ihre Produktentwicklung, Marketing-Performance und CRM-Prozesse durch gezielten Dateneinsatz aktiv voran.
Was sind First-Party-Daten eigentlich?
Fangen wir ganz von vorne an. First-Party-Daten sind Informationen, die Ihr Unternehmen mit der ausdrücklichen Zustimmung Ihrer Zielgruppe direkt von Ihren Kunden und Nutzern erhebt. Diese Daten gehören Ihrer Marke zu 100 % selbst und stammen aus den verschiedensten Interaktionen über Ihre eigenen digitalen Kanäle hinweg.
Das zeichnet First-Party-Daten aus:
- Sie werden direkt von Ihrer eigenen Zielgruppe erhoben.
- Sie basieren auf der Einwilligung der Nutzer (in seltenen Ausnahmefällen ist keine ausdrückliche Zustimmung erforderlich).
- Sie sind extrem zuverlässig, präzise und ethisch einwandfrei.
- Sie schaffen eine stärkere, langfristige Bindung zu Ihren Konsumenten.
Die zwei Arten von First-Party-Daten
Unterteilen Sie Ihre First-Party-Daten in zwei wesentliche Kategorien:
Explizite Daten (auch bekannt als „Zero-Party-Daten“): Informationen, die Ihre Nutzer Ihnen ganz bewusst und aktiv mitteilen. Dazu zählen Antworten aus Umfragen, Teilnahme an Polls, direktes Feedback, gewählte Einstellungen sowie Interessen oder Ziele, die beim Onboarding angegeben werden.
Implizite Daten: Informationen, die automatisch durch das Nutzerverhalten im Hintergrund erfasst werden. Dazu gehören App-Nutzungsmuster, die Häufigkeit von Website-Besuchen, Klicks auf bestimmte Features und allgemeines In-App-Verhalten.
In der Kombination decken implizite und explizite First-Party-Daten ein breites Spektrum an wertvollen Informationen ab:
- Demografische Angaben
- Werbe-IDs (Advertising IDs)
- Kaufhistorie & Transaktionen
- Abo-Details
- E-Mail-Engagement (z. B. Öffnungs- und Klickraten)
- Follower auf Social-Media-Kanälen
- App-Nutzung und In-App-Verhalten
- Interaktionen auf der Website
- Kontaktdaten (z. B. E-Mail-Adresse und Telefonnummer)
- Nutzerwünsche, Feedback und Präferenzen
First-Party-Daten vs. Third-Party-Daten
Die zwei wichtigsten Datentypen unterscheiden sich in einigen grundlegenden Punkten:

Auf den Punkt gebracht
First-Party-Daten sind unterm Strich deutlich verlässlicher als Drittanbieterdaten, da Sie die Erhebung lückenlos nachvollziehen können. Zudem bilden sie die Basis für präzise Personalisierung und gezieltes Targeting, um genau die Nutzer anzusprechen, die für Ihr Business den höchsten Wert haben. Das stärkt die direkte Beziehung zwischen Ihren Nutzern und Ihrer Marke nachhaltig.
Auch die Performance spricht für sich: Laut Google erzielen Unternehmen, die First-Party-Daten für zentrale Marketingfunktionen einsetzen, bis zu 2,9-mal höhere Umsätze und sparen gleichzeitig 1,5-mal mehr Kosten ein. Legen Sie Ihren Fokus auf First-Party-Daten – so bauen Sie tiefes Vertrauen zu Ihren Nutzern auf und schalten gleichzeitig hochgradig personalisierte, extrem effektive Kampagnen.
First-Party-Daten: Der Wandel vom Luxusgut zur absoluten Notwendigkeit
Warum First-Party-Daten heute wichtiger sind denn je
Ein aktueller Report von Deloitte und Google zu First-Party-Daten zeigt: 65 % der Entwickler richten ihre Datenstrategie neu aus und setzen voll auf die vertrauensbasierte Erhebung von First-Party-Daten, um sich entscheidende Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Auch wenn First-Party-Daten für App-Marketer schon immer ein wertvolles Asset waren, haben die jüngsten Entwicklungen im digitalen Ökosystem ihre Relevanz auf ein völlig neues Level gehoben.
Wer im dynamischen Markt von heute wettbewerbsfähig bleiben will, muss verstehen, warum an First-Party-Daten ab sofort kein Weg mehr vorbeiführt.
Partieller Verlust von Third-Party-Signalen
Jahrelang verließen sich Marketer stark darauf, Third-Party-Daten mit ihren eigenen Datenquellen zu verknüpfen, um ihre Kampagnen zu optimieren – insbesondere für das präzise Targeting in der Neukundengewinnung und das Retargeting in Re-Engagement-Kampagnen.
Dieses Vorgehen wird durch aktuelle Entwicklungen jedoch stark eingeschränkt: Verschärfte Datenschutzvorschriften (z. B. DSGVO, CCPA), plattformseitige Einschränkungen (wie Apples IDFA-Restriktionen oder das Aus von Browser-Cookies) und ein geschärftes Datenschutzbewusstsein der Nutzer (höhere Opt-out-Raten, Adblocker und VPNs) reduzieren die Verfügbarkeit externer Daten drastisch.
Paradigmenwechsel in der Datenwelt
Das digitale Marketing verabschiedet sich vom freien Zugriff auf Nutzerdaten. Die Zukunft gehört Strategien, die konsequent auf Einwilligung (Consent) und strikter Datenschutzkonformität basieren.
Die Vorteile einer klaren First-Party-Data-Strategie
Die Zeiten ändern sich radikal – doch das ist kein Grund für Schwarzmalerei. Wer jetzt gezielt auf First-Party-Daten setzt, verschafft sich handfeste Wettbewerbsvorteile, die jede Investition wert sind:
- Volle Kontrolle und Eigentum: Im Gegensatz zu Drittanbieterdaten behalten Sie die 100-prozentige Kontrolle über Ihre Daten. Das erlaubt Ihnen maximale Flexibilität bei der strategischen Nutzung.
- Höchste Präzision und Verlässlichkeit: Da die Daten direkt von Ihren eigenen Nutzern stammen, garantieren sie exakte Werte und maximale Relevanz für Ihre spezifische Zielgruppe.
- Echte Relevanz: Sie erhalten unverfälschte Einblicke in das tatsächliche Verhalten, die Vorlieben und die Interaktionen Ihrer Nutzer innerhalb Ihrer App und Kampagnen.
- Lückenlose Compliance: Sie behalten die volle Übersicht und stellen sicher, dass Erhebung und Nutzung streng allen rechtlichen Vorgaben entsprechen.
- Weniger rechtliche Hürden: Die interne Nutzung eigener First-Party-Daten unterliegt im Vergleich zu extern gekauften Daten deutlich weniger Einschränkungen.
- Unabhängigkeit von Drittanbietern: Indem Sie auf eigene Daten bauen, machen Sie Ihr Business unempfindlicher gegenüber plötzlichen Richtlinien-Änderungen externer Partner oder Plattformen.
- Maximale Kosteneffizienz: Je besser Sie Ihre First-Party-Daten ausschöpfen, desto weniger Budget müssen Sie für den teuren Zukauf externer Datenquellen aufwenden.
Die richtige Balance zwischen First-Party- und Third-Party-Daten

Wichtig zu verstehen: Es geht keineswegs darum, Third-Party-Daten komplett zu ersetzen. Das Ziel lautet vielmehr, den Wert eigener First-Party-Daten zu maximieren, um den teilweisen Verlust externer Signale wirksam auszugleichen. Trotz der komplexen Herausforderungen rund um Signalverluste spielen Third-Party-Daten weiterhin eine entscheidende Rolle und sind in vielen Szenarien – allen voran bei der Media-Aktivierung – schlicht unersetzlich.
Vergessen wir nicht: Was aus Sicht Ihrer Marke Third-Party-Daten sind, stellt für den Partner oft dessen eigene First-Party-Daten dar. Bestes Beispiel sind Plattformen wie Meta oder Google, die über enorme Mengen an First-Party-Daten ihrer eigenen Nutzer verfügen.
So gelingt App-Marketern die perfekte Balance:
- Optimieren Sie die Erhebung von First-Party-Daten: Nutzen Sie Ihre App gezielt als Kanal, um über In-App-Interaktionen, Umfragen und Nutzerverhalten noch mehr hochkarätige First-Party-Daten zu erfassen.
- Investieren Sie in stärkere Datenanalysen: Bauen Sie leistungsfähige Analytics-Strukturen auf, um wertvolle Erkenntnisse aus Ihren First-Party-Daten zu ziehen – verwandeln Sie das „Rohöl“ Daten in hochoktanigen Treibstoff für Ihre Kampagnen.
- Sichern Sie den Zugriff auf Third-Party-Datenquellen: Behalten Sie den Zugang zu wertvollen Third-Party-Daten überall dort bei, wo sie Ihnen weiterhin verlässliche Mehrwerte liefern.
- Etablieren Sie eine ganzheitliche Datenstrategie: Führen Sie First-Party- und Third-Party-Daten über einen MMP wie AppsFlyer zusammen. So schaffen Sie eine 360-Grad-Sicht auf Ihre Nutzer und Märkte – gebündelt an einem zentralen Ort.
Blicken Sie vorausschauend in die Zukunft, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein
Während sich die digitale Landschaft kontinuierlich weiterentwickelt, wird die Bedeutung von First-Party-Daten weiter stark zunehmen. Marketer, die schon heute in eine solide First-Party-Data-Strategie investieren, sind optimal aufgestellt, um künftige Änderungen bei Datenschutzgesetzen und Nutzererwartungen souverän zu meistern.
Dem Markt hinterherzulaufen ist immer der schwerere Weg – je früher Sie starten, desto besser. Lassen Sie sich nicht von unvorhergesehenen Entwicklungen überraschen, die die Handlungsfähigkeit Ihres Teams bei der Kampagnenausführung einschränken könnten.
So erheben Sie First-Party-Daten richtig: Rechtliche Vorgaben, Plattform-Regeln & UX-Design
Die Erhebung von First-Party-Daten ist für Marketer essenziell – doch sie muss sauber aufgesetzt sein. Wer erfolgreich Daten sammeln will, muss rechtliche Anforderungen, Plattform-Einschränkungen und eine erstklassige User Experience nahtlos miteinander verbinden.
Blicken wir auf die wichtigsten Faktoren und Best Practices für eine performante Datenerhebung:
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die meiste Datenerhebung erfordert die ausdrückliche Einwilligung der Nutzer – mit nur wenigen Ausnahmen (wie rechtlichen Verpflichtungen, öffentlichem Interesse oder vollständig anonymisierten Daten, etwa über SKAdNetwork). App-Marketer müssen sich in einem komplexen Geflecht aus Datenschutzgesetzen bewegen, darunter:
- DSGVO in Europa
- CCPA in Kalifornien
- LGPD in Brasilien
- PIPEDA & Law 25 in Kanada
Auch wenn sich die konkreten Vorgaben je nach Region unterscheiden, gelten übergreifend ein paar Grundprinzipien:
- Holen Sie eine explizite Einwilligung ein: Sichern Sie sich die klare, freiwillige Zustimmung Ihrer Nutzer. Vermeiden Sie Anreize („Incentives“) für die Einwilligung, da dies gegen geltendes Recht verstoßen kann.
- Schließen Sie Diskriminierung aus: Benachteiligen Sie keine Nutzer, die von ihren Datenschutzrechten Gebrauch machen (z. B. durch schlechtere Konditionen oder höhere Preise).
- Bieten Sie granulare Opt-ins: Geben Sie Nutzern die Möglichkeit, einzelnen Verwendungszwecken gezielt zuzustimmen, anstatt alle Einwilligungen pauschal zu bündeln.
- Schaffen Sie volle Transparenz: Kommunizieren Sie klar und deutlich, wofür Sie Daten erheben, wie diese genutzt werden und ob eine Weitergabe an Dritte erfolgt.
- Setzen Sie auf verständliche Sprache: Nutzen Sie kurze, leicht verständliche Formulierungen statt endloser juristischer Klauseln.
- Geben Sie Nutzern die volle Kontrolle: Bieten Sie ihren Nutzern einfache Möglichkeiten, eigene Daten einzusehen, der Nutzung zu widersprechen oder die Löschung zu beantragen.
- Garantieren Sie höchste Datensicherheit: Implementieren Sie robuste Sicherheitsstandards für die Datenspeicherung und melden Sie etwaige Verstöße unverzüglich.
Die Liste der Anforderungen ist lang – und als Marketer sollten Sie diese genau kennen. Ihre wichtigste Aufgabe lautet jedoch: Binden Sie Ihren Datenschutzbeauftragten und Ihre Rechtsabteilung frühzeitig ein. Überlassen Sie der Legal-Abteilung hier die Federführung, um absolut rechtssicher und mit vollem Vertrauen zu agieren.
Bonus-Tipp: Consent Management Platformen (CMPs)
Suchen Sie nach passenden Tools, um sich im komplexen und hochdynamischen Paragrafendschungel zurechtzufinden? Dann sind Consent Management Platformen (CMPs) die ideale Lösung.
Diese Plattformen bieten Ihnen fertige Out-of-the-box-Lösungen, um Einwilligungen exakt nach den Vorgaben der jeweiligen Gesetzgebung einzuholen. Wir werfen im nächsten Kapitel dieses Guides einen noch genaueren Blick auf diese Tools.
Plattformseitige Einschränkungen
Neben den rechtlichen Vorgaben müssen App-Marketer zwingend die spezifischen Restriktionen der jeweiligen Plattform-Betreiber einhalten. Für den Zugriff auf viele Datenpunkte sind explizite Nutzerberechtigungen erforderlich – darunter Standortdienste, Kontaktdaten, Kamera- und Mikrofonzugriffe sowie die Werbe-ID auf iOS (IDFA via Apples AppTrackingTransparency-Framework) oder die GAID-Alternativen auf Android.
Entwickler und Marketer müssen diese plattformspezifischen Vorgaben genau im Blick behalten und die entsprechenden Permission-Prompts sauber in ihren Apps aufsetzen. Auch wenn sich viele Anforderungen zwischen Apple und Google ähneln, hat jede Plattform ihre eigenen Regeln und Dynamiken – und sollte genau so individuell behandelt werden.
Nutzerzentriertes UX-Design in der App
Eine saubere Datenerhebung ist keineswegs nur eine Frage der Legal Compliance – sie steht und fällt mit einer hervorragenden User Experience, die Vertrauen schafft und Opt-in-Raten nachhaltig steigert. Jede App hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, doch diese Grundregeln sollten Sie als festen Rahmen verankern:
- Integrieren Sie nutzerfreundliches Design: Nutzen Sie ansprechende Layouts und knackige Texte, um Ihren Nutzern den konkreten Mehrwert der Datenerhebung sofort verständlich zu machen.
- Wählen Sie den perfekten Zeitpunkt: Fragen Sie Berechtigungen im genau passenden Moment ab – wenn der Kontext klar ist und die Notwendigkeit für den Nutzer auf der Hand liegt.
- Fordern Sie Rechte schrittweise an: Überfordern Sie neue Nutzer nicht direkt beim ersten App-Start. Verschieben Sie spezifische Abfragen auf den Zeitpunkt, an dem das jeweilige Feature tatsächlich genutzt wird.
- Liefern Sie glasklare Erklärungen: Schaffen Sie Transparenz und erklären Sie nachvollziehbar, warum eine bestimmte Berechtigung benötigt wird (konkrete Praxisbeispiele dazu folgen weiter unten).
- Schalten Sie Pre-Prompts vor: Nutzen Sie eigene Erklär-Screens („In-App Priming“), bevor der eigentliche System-Dialog der Plattform erscheint. So liefern Sie den nötigen Kontext vorab und maximieren Ihre Opt-in-Raten.
Praxisbeispiele und Best Practices
Veranschaulichen wir diese Prinzipien an einem konkreten Beispiel für eine der am häufigsten abgefragten Berechtigungen und zeigen, wie Top-Brands diese erfolgreich umsetzen:
Standortdienste
Blicken wir auf TripAdvisor: Die Reise-App möchte ihren Nutzern passende Angebote und Geheimtipps für Orte in ihrer direkten Umgebung liefern. Über einen freundlich gestalteten, im Marken-Design gehaltenen Pre-Prompt erklärt die App transparent den direkten Mehrwert der Standortfreigabe. Erst durch diesen Zwischenschritt sichert sich TripAdvisor das Interesse des Nutzers, bevor der offizielle System-Dialog des Betriebssystems ausgelöst wird.
Im Gegensatz dazu müssen Navigations-Apps ihren Nutzern kaum erklären, warum sie Zugriff auf den Standort benötigen. Der Einsatzzweck liegt hier auf der Hand – ohne Standortdaten gibt es schlicht keine Navigation.
Das zeigt deutlich: Der richtige Zeitpunkt und die jeweilige Intention des Nutzers entscheiden maßgeblich darüber, wie leicht oder schwer es ist, Berechtigungen und Consent zu sichern.
Zugriff auf die Kontaktliste
Genau wie bei den Standortdiensten sollten Sie Ihren Nutzern klarmachen, wie die Freigabe der Kontakte die App-Funktionen verbessert. Auch hier zahlt sich ein konkreter Kontext aus – wie dieses Beispiel von Cluster zeigt, einer App zum Teilen von Fotos.
Cluster schafft durch nachvollziehbaren Kontext und eine visuelle Vorschau des Berechtigungs-Dialogs die perfekte Basis für ein hohes Opt-in. Zusätzlich bietet die App die Option, Kontaktdaten manuell einzugeben. So vermeiden Sie die Systemabfrage geschickt bei Nutzern, die den Zugriff voraussichtlich ohnehin verweigern würden.
Cluster geht bei diesem Ansatz sogar noch einen Schritt weiter: Die App löst eine erneute Abfrage genau in dem Moment aus, in dem der Nutzer den fehlenden Komfort ohne Kontaktzugriff spürt.
Denken Sie daran: Das Timing ist alles. Selbst Nutzer, die die Freigabe beim ersten Mal abgelehnt haben, lassen sich genau an diesem Point of Pain doch noch von den Vorteilen überzeugen und geben ihre Zustimmung.
Zugriff auf die Kamera
In den meisten Apps – allen voran in den Social Media – liegt der Grund für die Kamera-Freigabe auf der Hand. Das hält Schwergewichte wie Instagram jedoch keineswegs davon ab, ihre Absichten vorab im Detail zu erklären. Das unterstreicht eindrucksvoll: Selbst wenn der Zweck offensichtlich erscheint, zahlt sich maximale Transparenz bei den Details aus.
Doch wie sieht das bei einer Airline-App aus? United zeigt eindrucksvoll, wie es geht, und erklärt den genauen Grund für den Kamerazugriff exakt im passenden Moment. Sie benötigen dafür nicht einmal einen zusätzlichen Pre-Prompt – die logische Aktion des Nutzers im gewohnten Ablauf reicht als perfekter Auslöser völlig aus.
ATT-Einwilligung (AppTrackingTransparency)
Jede Marke mit einer eigenen App kennt diese kritische Berechtigung nur zu gut. Den einen, perfekt allgemeingültigen Weg gibt es hier kaum, da jeder User-Flow völlig individuell aufgebaut ist. Einige Apps setzen auf vorgeschaltete Pre-Prompts, um die konkreten Vorteile von Daten-Tracking transparent zu erklären, bevor sie den offiziellen ATT-Dialog aufrufen. Andere wiederum fahren mit einer direkten Strategie erfolgreicher und stellen die Systemabfrage sofort und ohne Vorrede.

Unterschiede je nach App-Kategorie
Um den Punkt zur ATT-Einwilligung weiter zu vertiefen: Welche Strategie bei Berechtigungsabfragen am besten funktioniert, hängt stark von der jeweiligen App-Kategorie ab – wie die vorherigen Beispiele schon verdeutlicht haben:
- Gesundheits-, Dating- oder Finanz-Apps: Diese Kategorien erfordern meist ausführlichere Erklärungen und verlässliche Zusicherungen bezüglich des Datenschutzes, um das nötige Vertrauen aufzubauen.
- Gaming-Apps: Im Spielebereich führt oft ein direkterer Ansatz zum Erfolg – hier werden Berechtigungen häufig direkt zu Beginn ohne umfangreiche Pre-Prompts abgefragt.
Wichtige Erkenntnisse für den verantwortungsvollen Umgang mit Daten:
- Rechtliche Compliance: Stellen Sie sicher, dass Ihre Methoden zur Datenerhebung strikt allen relevanten Datenschutzvorschriften entsprechen.
- Einhaltung von Plattform-Regeln: Befolgen Sie die spezifischen Vorgaben der jeweiligen Plattformen beim Abfragen von Berechtigungen.
- Nutzerzentrierter Ansatz: Gestalten Sie den Prozess der Datenerhebung konsequent aus der Perspektive einer optimalen User Experience.
- Transparenz und Timing: Kommunizieren Sie klar den Nutzen sowie den Verwendungszweck der erhobenen Daten und fragen Sie Berechtigungen im jeweils passenden Kontext ab.
- Flexibilität: Seien Sie bereit, Ihre Strategie flexibel an Ihre App-Kategorie und das Feedback Ihrer Nutzer anzupassen.
First-Party-Daten sauber und umsetzbar halten
Die Erhebung von First-Party-Daten ist erst der Anfang. Um ihr volles Potenzial wirklich zu nutzen, müssen App-Marketer sicherstellen, dass die Daten sauber, gut organisiert und aktivierbar sind. Andernfalls sind sie praktisch nutzlos. In diesem Abschnitt betrachten wir die wichtigsten Strategien und Überlegungen, um den Wert Ihrer First-Party-Daten zu maximieren.
Die Bedeutung sauberer und aktivierbarer Daten
Viele Marken sammeln riesige Datenmengen, tun sich aber schwer damit, Maßnahmen daraus abzuleiten, weil die Daten nicht zugänglich oder nutzbar sind. Laut Google berichten mehr als 60 % der Marken von Problemen bei der Verknüpfung verschiedener Technologien. Wenn eine wertvolle Erkenntnis über das Nutzerverhalten in einem Product-Analytics-Tool gefangen bleibt und dort in Silos isoliert wird, gelangt sie weder zu den Entwicklern, die die App bauen, noch zum Marketing-Team, das Werbung dafür macht.
Saubere, aktivierbare Daten sind entscheidend, um fundierte Entscheidungen zu treffen, User Experiences zu personalisieren, Marketing-Kampagnen zu optimieren und die Performance sowie die Features der App kontinuierlich zu verbessern.
5 Strategien, um Daten sauber und umsetzbar zu halten

1. Implementieren Sie die richtigen Tools
Die Auswahl der richtigen Tools ist entscheidend, um Ihre First-Party-Daten effektiv zu verwalten.
Berücksichtigen Sie dabei:
- Product-Analytics-Tools: (z. B. Amplitude, Mixpanel)
- CRM-/Lifecycle-Tools: (z. B. Braze, CleverTap)
- Mobile Measurement Partner (MMPs): (z. B. AppsFlyer)
- Customer Data Platforms (CDPs): (z. B. Segment, mParticle) – unverzichtbar für größere Unternehmen, um Daten über verschiedene Quellen und Endpunkte (wie die oben genannten Tools) hinweg zu zusammenzuführen.
Wählen Sie Tools, die zu Ihren langfristigen Zielen passen, um Datenverluste oder Dubletten bei Migrationen zu vermeiden.
2. Entwickeln Sie eine robuste Taxonomie
Eine gut strukturierte Taxonomie oder Namenskonvention ist essenziell für dauerhaft konsistente, saubere Daten. So stellen Sie die Datendurchgängigkeit über Teams hinweg sicher, vermeiden Dubletten und erleichtern Analysen sowie das Reporting erheblich.
Hier sind einige Best Practices für die Entwicklung einer Taxonomie:
- Erstellen Sie ein zentrales Dokument, das alle Events, Parameter und Nutzer-Attribute auflistet.
- Defipnieren Sie klare Namenskonventionen für Events und Eigenschaften (Properties).
- Fügt Praxisbeispiele für jeden Datenpunkt hinzu, um absolute Klarheit zu schaffen.
- Verfolgen Sie den Implementierungsstatus über alle Plattformen hinweg (iOS, Android).
- Halten Sie fest, welche Tools die jeweiligen Datenpunkte unterstützen.
- Dokumentieren Sie historische Namensänderungen oder Abweichungen lückenlos.
Wenn Sie noch tiefer in das Thema Taxonomie eintauchen möchten, werfen Sie einen Blick in diesen hilfreichen Guide.
3. Regelmäßige Wartung und Updates.
Die Sauberkeit und Relevanz Ihrer Daten erfordert kontinuierliche Anstrengungen. Dies umfasst die Überprüfung und Aktualisierung Ihrer Taxonomiedokumentation, das Bereinigen Ihrer Daten durch Entfernen veralteter Metriken, das Zusammenführen doppelter Nutzerprofile, wenn diese identifiziert werden, und das Aktualisieren des Event-Trackings, während sich Ihre App weiterentwickelt.
4. Abstimmung zwischen den Teams.
Sie sind alle gemeinsam dafür verantwortlich, also synchronisieren Sie sich frühzeitig und konsequent. Halten Sie regelmäßige Meetings ab, um über Datenbedürfnisse und -nutzung zu sprechen, Schulungen zur Taxonomie und zu bewährten Praktiken der Datensammlung anzubieten und die Zusammenarbeit zwischen Marketing-, Produkt- und Entwicklungsteams zu fördern.
5. Datenintegration und Zugänglichkeit.
Machen Sie Ihre Daten in Ihrer Organisation zugänglich und nutzbar. Ihr Team kann CDPs nutzen, um Daten aus verschiedenen Quellen zu zentralisieren und Datenvisualisierungstools für eine einfachere Analyse zu implementieren. Wenn relevante Teammitglieder das Gefühl haben, dass sie leicht auf die Daten zugreifen können, machen Sie es richtig.
Einwilligungsmanagement-Plattformen (CMPs)

Kommen wir zurück zu den Einwilligungsmanagement-Plattformen, die eine zunehmend wichtige Rolle beim Management von First-Party-Daten spielen.
Was ist ein CMP?
Eine Consent Management Platform ist ein Tool, das Apps und Websites dabei hilft, die Zustimmung der Nutzer zur Datenerhebung und -nutzung zu verwalten. Sie bieten in der Regel benutzerfreundliche Oberflächen zur Einholung von Zustimmungen sowie ein Speicher- und Verwaltungssystem für die Zustimmungseinstellungen der Nutzer. Die meisten CMPs integrieren sich auch mit verschiedenen Datenerhebungs- und Analysetools.
Google führt eine Liste zertifizierter CMPs, falls Sie einen Blick darauf werfen möchten, was es gibt.
Warum sind CMPs jetzt wichtiger?
CMPs werden dank der strengeren Datenschutzbestimmungen, die zuvor in diesem Leitfaden behandelt wurden, sowie des gestiegenen Bewusstseins und der Besorgnis der Nutzer über den Datenschutz, der heute besteht, immer attraktiver. Änderungen auf Plattformebene wie Apples App Tracking Transparency haben ebenfalls eine zusätzliche Komplexität hinzugefügt.
Darüber hinaus verlangen große Werbeplattformen jetzt die Nutzung von CMPs. Zum Beispiel hat Google es zur Voraussetzung gemacht, dass Apps, die ihr Inventar mit Google Ads einbeziehen möchten—was die meisten Apps mit Werbung umfasst. Wenn Entwickler keinen CMP implementieren, fordert Google automatisch ihre eigene Zustimmungsschnittstelle über der App an, was möglicherweise zu einer suboptimalen Nutzererfahrung mit doppelten Aufforderungen führt. Diese Änderung der Richtlinien hat CMPs nicht nur vorteilhaft, sondern oft notwendig gemacht, damit App-Entwickler die Kontrolle über ihre Nutzererfahrung und die Werbeintegration behalten können.
Wobei CMPs Apps helfen:
Nun, sie zielen darauf ab, die oben genannten Probleme zu lösen. CMPs bieten Marken einen optimierten Prozess zur Einholung von Zustimmungen, der den Datenschutzbestimmungen entspricht. Sie bieten auch die zusätzlichen Vorteile einer granularen Kontrolle über die Datenerhebung basierend auf den Nutzerpräferenzen und transparenter Datenpraktiken, die das Vertrauen der Nutzer verbessern können.
Wann man einen CMP vs. Die Zustimmung intern verwalten:
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob die Nutzung eines CMP für Sie sinnvoll ist, hier ist ein schneller Spickzettel.
Erwägen Sie die Nutzung eines CMP, wenn:
- Sie möchten Ihr Inventar mit Google Ads einbeziehen
- Ihre App funktioniert in mehreren Rechtsordnungen mit unterschiedlichen Datenschutzgesetzen
- Sie sammeln komplexe oder umfangreiche Nutzerdaten
- Ihnen fehlt die interne Expertise in Datenschutzvorschriften und Einwilligungsmanagement
- Sie möchten Zeit und Ressourcen bei der Entwicklung einer benutzerdefinierten Lösung sparen
Erwägen Sie, die Einwilligung intern zu verwalten, wenn:
- Ihre App einfache Datenanforderungen hat
- Sie haben eine kleine Nutzerbasis in einer einzigen Rechtsordnung
- Sie verfügen über starke interne Datenschutz- und Entwicklungsexpertise
- Sie benötigen einen hochgradig angepassten Prozess für das Einwilligungsmanagement
Abschließende Gedanken zur Datenbereinigung
Saubere Daten sind handlungsfähige Daten. Um es so zu halten, investieren Sie in geeignete Werkzeuge für Analyse und Management und entwickeln und pflegen Sie eine robuste Taxonomie für Konsistenz und Benutzerfreundlichkeit. Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Daten regelmäßig aktualisieren und bereinigen, um Relevanz und Genauigkeit zu erhalten, halten Sie Ihr Team über Datenpraktiken und -nutzung im Einklang und ziehen Sie in Betracht, eine Plattform für das Einwilligungsmanagement zu implementieren, um die Einhaltung der Datenschutzvorschriften zu optimieren.
Verwendung von First-Party-Daten intern
Sie haben also die Kunst der Erfassung von First-Party-Daten gemeistert. Bereit, diese zur Verbesserung Ihres Produkts und Ihrer Marketingbemühungen zu nutzen? Lassen Sie uns die verschiedenen Möglichkeiten erkunden, wie App-Entwickler und Vermarkter First-Party-Daten intern nutzen können, um Wachstum zu fördern und die Nutzererfahrung zu verbessern.
Produktentwicklung und -verbesserung
Zu Beginn können Ihre First-Party-Daten ein Game-Changer sein, wenn es darum geht, die Erfahrung für Ihre Nutzer zu verbessern. Hier sind einige Beispiele, wie man Erkenntnisse anwenden kann.
Analytik vorantreiben und Einblicke generieren
Erstpartei-Daten dienen als Grundlage für das Verständnis des Nutzerverhaltens und von Trends. Durch die Analyse dieser Daten können Produktteams Muster im Nutzerengagement identifizieren, Schmerzpunkte in der Nutzerreise aufdecken und erfolgreiche Funktionen sowie Interaktionen erkennen.
Diese Einblicke sind entscheidend, um Produkt-Roadmaps zu informieren und Entwicklungsanstrengungen zu priorisieren.
Nutzererfahrung iterieren und verbessern
In ähnlicher Weise kann all dieses Nutzerverhalten Produktteams dazu befähigen, die Entwicklung neuer Funktionen zu priorisieren, um den Nutzerbedürfnissen gerecht zu werden, Funktionen zu identifizieren, die verbessert oder iteriert werden müssen, und datengestützte Entscheidungen darüber zu treffen, welche Funktionen eingestellt werden sollen.
Denken Sie daran, dass es manchmal ebenso wichtig ist, zu wissen, welche Funktionen entfernt werden sollen, wie zu wissen, welche hinzugefügt werden sollen. Alle diese Entscheidungen können durch die richtigen Daten beeinflusst und unterstützt werden.
A/B-Tests
Eine der Hauptanwendungen von Erstpartei-Daten ist das A/B-Testing. Diese Methode ermöglicht es Teams in Ihrer Organisation:
- Variationen von Funktionen, Designs oder Nutzerflüssen zu testen
- Die Auswirkungen von Änderungen auf wichtige Kennzahlen wie Aktivierung, Retention und Monetarisierung zu messen
- Informierte Entscheidungen basierend auf statistisch signifikanten Ergebnissen zu treffen
A/B-Testing, angetrieben von Erstpartei-Daten, hilft Teams, kontinuierlich bessere Geschäftsergebnisse mit Vertrauen zu erzielen.
Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs, denn die Produktentwicklung ist nicht der einzige Bereich, in dem Erstpartei-Daten glänzen können.
Remarketing-Optimierung
McKinsey & Company Bericht, dass 76% der Verbraucher irritiert werden, wenn sie Anzeigen und Produktempfehlungen erhalten, die nicht personalisiert sind. Um diese Irritation zu lindern, müssen Vermarkter spezifischer mit ihren Zielgruppen werden.
Inhalts-Personalisierung
Erstpartei-Daten ermöglichen eine ausgeklügelte Inhalts-Personalisierung in allen Bereichen. Bieten Sie maßgeschneiderte Empfehlungen basierend auf den Vorlieben und dem bisherigen Verhalten der Nutzer:in, schaffen Sie dynamische Nutzer:innenerlebnisse, die sich an individuelle Bedürfnisse anpassen, und gehen Sie über Lösungen von der Stange hinaus, um einzigartige, ansprechende Erlebnisse für jede:n Nutzer:in zu bieten, die den Lebenszeitwert steigern können.
Kundenbeziehungsmanagement (CRM) und Lifecycle-Marketing
Apropos LTV, sind First-Party-Daten das Rückgrat effektiver CRM- und Lifecycle-Marketing-Strategien. First-Party-Daten führen zu besseren Strategien, die wiederum die Engagement-, Retention- und Monetarisierungsverbesserungen fördern, für die jede:r Marketer:in arbeitet.
- Erweiterte Segmentierung: Nutzen Sie die Informationen, um detailliertere Nutzer:innensegmente basierend auf vergangenen und aktuellen Verhaltensweisen, Demografien sowie Nutzer:innenprofilen und -vorlieben zu erstellen.
- Personalisierte Kommunikation: Passen Sie Ihre Messaging an Nutzer:innen in Push-Benachrichtigungen, E-Mails und In-App-Nachrichten an.
- Timing- und Kanaloptimierung: Verwenden Sie Verhaltensdaten, um die besten Zeiten und gewinnbringenden Kanäle zu bestimmen, um mit verschiedenen Nutzer:innensegmenten zu interagieren.
Cross-Promotion zwischen Apps
Unternehmen mit mehreren Apps können Nutzer:innennummern für Anbieter (IDFV) verwenden, um die Marketingwirkung über ihre verschiedenen Angebote hinweg zu verbessern. Wenn ein:e Nutzer:in beispielsweise zwei verschiedene Spiele eines Spieleunternehmens spielt und diese:r Nutzer:in in einem Spiel einen Kauf getätigt hat, aber nicht im anderen, möchte das Unternehmen möglicherweise eine Kampagne aufbauen, die sie dazu ermutigt, auch dort auszugeben.
Prädiktive Analysen
Obwohl es noch nicht möglich ist, die Zukunft zu sehen, können historische First-Party-Daten verwendet werden, um zukünftiges Nutzer:innenverhalten vorherzusagen. Dies beinhaltet die Identifizierung von Nutzer:innen, die Gefahr laufen, abzuspringen, die Prognose potenzieller hochpreisiger Nutzer:innen und die Antizipation von Nutzer:innenbedürfnissen und -vorlieben.
Cross-funktionale Vorteile

First-Party-Daten können auch verwendet werden, um eine stärkere Zusammenarbeit zu fördern, sowohl innerhalb Ihrer Organisation als auch extern mit Kund:innen.
Produkt-Marketing-Ausrichtung
First-Party-Daten dienen als gemeinsame Sprache zwischen Produkt- und Marketingteams, die ihnen helfen, Einblicke in das Nutzer:innenverhalten und -vorlieben zu teilen, sich auf wichtige Leistungsindikatoren (KPIs) abzustimmen und bei der Entwicklung von Funktionen und Marketingstrategien zusammenzuarbeiten.
Besserer Kundensupport
Die Nutzung Ihrer Daten, um den Supportmitarbeitenden die Nutzerhistorie und den Kontext bereitzustellen, kann dazu beitragen, dass jedes Gespräch reibungsloser verläuft. Darüber hinaus kann Ihr Supportteam Nutzerprobleme basierend auf Verhaltensmustern antizipieren und proaktive Unterstützung für häufige Schmerzpunkte anbieten.
Wichtige Erkenntnisse für die interne Nutzung
- Erstparteidaten sind ein leistungsfähiges Werkzeug sowohl für die Produktentwicklung als auch für die Marketingoptimierung.
- Nutzen Sie Daten, um Produktentscheidungen zu treffen, von der Priorisierung von Funktionen bis hin zur Personalisierung.
- Nutzen Sie auch fortgeschrittene Segmentierung und Personalisierung in Ihren Marketingbemühungen.
- Fördern Sie die bereichsübergreifende Zusammenarbeit, um den Wert Ihrer Erstparteidaten zu maximieren.
- Priorisieren Sie immer den Datenschutz und die Zustimmung der Nutzer, wenn Sie Erstparteidaten verwenden.
Nutzung von Erstparteidaten extern
Während Erstparteidaten für die interne Nutzung von unschätzbarem Wert sind, schaffen Datenschutzbeschränkungen eine Realität, in der sie auch für die externe Nutzung zur Verbesserung von Marketingbemühungen und Partnerschaften von unschätzbarem Wert werden. Die Zusammenarbeit mit Einzelhandelsmediennetzwerken zur Durchführung von Datenkooperationskampagnen kann sehr lukrativ sein, und dieser Abschnitt untersucht, wie man mit externen Partnern zusammenarbeiten kann, während man die Datenkonformität und -sicherheit aufrechterhält.
Einhaltung und Zustimmung
Bevor Sie Erstparteidaten extern nutzen, ist es wichtig sicherzustellen, dass eine spezifische Zustimmung für die externe Nutzung erteilt wurde, um den gesetzlichen Bestimmungen und Plattformregeln zu entsprechen. Dann sollten Sie überprüfen, ob der Anwendungsfall bei der Datenerhebung angegeben wurde. Die Aufrechterhaltung von Transparenz gegenüber den Nutzern darüber, wie ihre Daten verwendet werden, ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen.
In vielen Regionen wie der EU und Brasilien ist dies absolut entscheidend. In anderen Regionen wie den USA gilt eine nachsichtige „Opt-out“-Politik, die es Unternehmen erlaubt, Daten zu sammeln, bis der Nutzer ausdrücklich darum bittet, dies nicht zu tun.
benutzerdefinierte Zielgruppen
Der beste Weg, um diese Erstparteidaten für Sie arbeiten zu lassen, besteht darin, hochgradig segmentierte Zielgruppen zu erstellen. Filtern Sie zunächst nach spezifischen Verhaltensweisen, wie Nutzern, die mehrmals die Bezahlschranke besucht haben, ohne zu abonnieren, oder Nutzern, die bestimmte Produkte in ihren Warenkorb gelegt haben, und erstellen Sie dann Ihre Liste mit Nutzer-IDs wie IDFA, E-Mails oder Telefonnummern.
Wie und wo man benutzerdefinierte Zielgruppen verwendet
Wenn Sie nach Inspiration suchen, um mit benutzerdefinierten Zielgruppen zu beginnen, schauen Sie sich diese häufigen Beispiele an:
- Ausschlusslisten
- Verhindern Sie, dass bestehende Nutzer neue Nutzerakquisitionskommunikationen sehen
- Schließen Sie zahlende Abonnenten von saisonalen Rabattaktionen aus
- Lookalike-Zielgruppen (für die Nutzerakquisition):
- Erstellen Sie Zielgruppen potenzieller Nutzer basierend auf Ihren besten bestehenden Profilen
- Verfügbar auf Plattformen wie Meta, TikTok und Google
- Definieren Sie Quellzielgruppen, Standorte und Zielgruppengröße
- Bezahltes Remarketing:
- Erreichen Sie bestehende oder inaktive Nutzer über externe Kanäle
- Gleichgewicht zwischen Zielgruppenrelevanz und -größe für optimale Ergebnisse
Achten Sie auf Ihre Übereinstimmungsrate
Beim Erstellen von Zielgruppen müssen Sie Ihre Übereinstimmungsrate im Auge behalten. Im Kontext von First-Party-Daten bezieht sich die „Übereinstimmungsrate“ auf den Prozentsatz der Nutzeridentifikatoren (wie E-Mail-Adressen oder Geräte-IDs) aus Ihren First-Party-Daten, die erfolgreich mit Nutzerprofilen auf einer externen Plattform oder in der Datenbank eines Partners abgeglichen werden können. Eine höhere Übereinstimmungsrate bedeutet, dass mehr Ihrer Zielgruppe auf dieser externen Plattform erreicht oder angesprochen werden kann. Je sauberer und reichhaltiger Ihre Daten sind, desto höher können Sie Ihre Übereinstimmungsrate skalieren.
Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie haben eine Liste von 10.000 Kunden-E-Mail-Adressen aus Ihren First-Party-Daten, und Sie möchten eine gezielte Anzeigenkampagne auf einer Social-Media-Plattform durchführen. Wenn die Plattform 7.000 dieser E-Mail-Adressen mit Nutzerprofilen in ihrem System abgleichen kann, beträgt Ihre Übereinstimmungsrate 70%. Das bedeutet, dass Sie potenziell 70% Ihrer beabsichtigten Zielgruppe auf dieser Plattform erreichen können. Hohe Übereinstimmungsraten können heutzutage sogar auf iOS erreicht werden, wenn man einwilligende Nutzer, E-Mail und Telefonnummern kombiniert.
Handels- und Einzelhandelsmediennetzwerke
Die neueste Innovation in der Nutzung von externen First-Party-Daten wird von Handels- und Einzelhandelsmediennetzwerken vorangetrieben. McKinsey & Company Bericht, dass 70% der Werbetreibenden eine verbesserte Performance von Einzelhandelsmediennetzwerken im Vergleich zu anderen Kanälen festgestellt haben.
Diese leistungsfähigen Plattformen stellen eine bedeutende Gelegenheit für sowohl Einzelhändler als auch Marken dar, den Wert ihrer First-Party-Daten auf datenschutzkonforme Weise zu maximieren.
Was genau sind sie?
Handelsmediennetzwerke sind im Wesentlichen Unternehmen, die ihre First-Party-Daten monetarisieren, indem sie Marken einladen, diese für gezielte Werbung und Zielgruppensegmentierung zu nutzen. Diese Unternehmen können von Einzelhändlern wie Walmart oder Best Buy, die Einzelhandelsmediennetzwerke (RMNs) schaffen, bis hin zu Finanzinstituten, Reise-, Transport- und Streamingdiensten (um nur einige zu nennen) reichen, die Handelsmediennetzwerke (CMNs) bilden.
Was macht sie so attraktiv?
Was diese Netzwerke so attraktiv macht, ist, dass sie einen Schatz an First-Party-Daten besitzen, die direkt aus Verbraucherinteraktionen stammen, wie z.B. Einkaufsverlauf, Transaktionsdaten, Kontenaktivitäten, Inhaltskonsum usw. Dies ermöglicht es Vermarktern, Segmente zu erstellen, die sowohl vor Ort (innerhalb des Ökosystems des Einzelhändlers) als auch außerhalb (auf Plattformen wie Meta oder Google) aktiviert werden können. Mit diesen Daten können Vermarkter hyperkontextuelle und hyperpersonalisierte Kampagnen erstellen, die einen höheren ROAS erzielen.
Die massive Wachstumschance

Einzelhandelsmedien erleben ein explosives Wachstum, wobei die digitalen Werbeausgaben über 20% erreichen und die Margen auf 50-70% steigen. Vorhersagen deuten darauf hin, dass es bis 2025 bis zu 166 Milliarden Dollar an Werbeausgaben anziehen könnte, laut Erkenntnissen von eMarketer. Dieses Wachstum wird durch mehrere Faktoren vorangetrieben:
- Signalverlustminderung: Da Drittanbieter-Daten weniger verfügbar werden und Datenschutzbeschränkungen den Austausch von Daten behindern, bieten diese Netzwerke eine wertvolle Alternative.
- Hohe Margen: Einzelhändler können ihre Margen potenziell von etwa 4% auf bis zu 70% erhöhen, indem sie ihre Daten über diese Netzwerke monetarisieren. Dies ermöglicht es ihnen, in ihrer Fähigkeit, den ROAS ihrer Kunden zu maximieren, äußerst flexibel zu sein.
- Vielfältige Werbemöglichkeiten: Sie ermöglichen Werbung vor Ort, außerhalb des Standorts und im Geschäft und richten sich an Einzelhändler, Nicht-Einzelhändler und nicht-endemische Werbetreibende.
Die Herausforderungen für den Erfolg
Diese boomende Branche ist attraktiv, sieht sich jedoch Herausforderungen gegenüber, wenn es um eine effektive Zusammenarbeit zwischen Marken und Einzelhandelsmediennetzwerken geht. Lassen Sie uns einen Blick darauf werfen und praktische Lösungen erkunden, um das volle Potenzial von Einzelhandelsmedienpartnerschaften freizusetzen.
Herausforderung Das Drahtseil der Datenschutzvorschriften betreten
In einer Ära strenger Datenschutzgesetze ist es keine einfache Aufgabe, die Datennutzung mit der Einhaltung in Einklang zu bringen. Marken und Netzwerke müssen komplexe Vorschriften navigieren und gleichzeitig Wege finden, wertvolle Kunden Einblicke und erfolgreiche Kampagnen zu gewinnen.
Lösung
Um diese Datenschutzbedenken anzugehen, wendet sich die Branche an datenschutzfördernde Technologien (PETs). Ein herausragendes Beispiel ist der Daten-Cleanroom.

Daten-Cleanrooms sind sichere Umgebungen, in denen mehrere Parteien ihre jeweiligen Datensätze analysieren und kombinieren können, ohne Rohdaten direkt zu teilen. Sie fungieren als neutrale dritte Partei und ermöglichen es, wertvolle Einblicke zu gewinnen, während strenge Datenschutzkontrollen aufrechterhalten werden.
Weitere wichtige PETs sind:
- K-anonymity: Eine Methode zur Datenanonymisierung, die eine individuelle Identifizierung innerhalb eines Datensatzes verhindert.
- PII-Hashing: Eine Technik, die persönlich identifizierbare Informationen in unlesbaren Code umwandelt, um eine sichere Datenverarbeitung zu gewährleisten.
- Differenzierter Datenschutz Ein System zur öffentlichen Weitergabe von Informationen über einen Datensatz, während Informationen über Einzelpersonen zurückgehalten werden.
Herausforderung Vertrauen verwalten und gleichzeitig proprietäre Daten schützen.
Daten sind das Lebenselixier des modernen Marketings. Verständlicherweise sind sowohl Marken als auch Netzwerke zögerlich, ihre wertvollen Datenbestände zu teilen, aus Angst vor Missbrauch oder wettbewerbsbedingten Nachteilen.
Lösung
Um Vertrauen aufzubauen und Bedenken auszuräumen, muss die Branche strenge Datenschutzstandards annehmen, die sich auf die oben genannten datenschutzfördernden Technologien (PETs) konzentrieren.
Es geht jedoch nicht nur um die Technologie; Vertrauen durch Transparenz zu kultivieren, ist ebenso entscheidend. Unternehmen sollten ihre Datenverwendungsrichtlinien und Sicherheitsmaßnahmen klar kommunizieren und offenlegen, wie die geteilten Daten verwendet und geschützt werden. Diese Offenheit hilft, Vertrauen sowohl bei Partnern als auch bei Nutzern aufzubauen.
Herausforderung Messchaos, Datensilos und die Suche nach Standardisierung
Die Messung, die von Einzelhandels- und Handelsmediennetzwerken angeboten wird, bleibt oft hinter den Erwartungen zurück – einige messen überhaupt nicht, andere bieten nur grundlegende Schönheitsmetriken an. Aber eines ist sicher – es gibt keine Standardisierung, und ohne konsistente Metriken über Plattformen hinweg wird die Bewertung der Kampagnenleistung zu einem Ratespiel. Der Mangel an standardisierten Messungen behindert sinnvolle Vergleiche und Optimierungsbemühungen, ganz zu schweigen von all den fragmentierten Datenquellen.
Lösung
Um Messherausforderungen zu überwinden, ist es wichtig, den Fokus auf Transparenz in der Messlogik zu legen. Das bedeutet, klar zu definieren und zu teilen, wie Metriken berechnet und interpretiert werden, um sicherzustellen, dass alle Beteiligten ein gemeinsames Verständnis der Leistungsindikatoren haben. Die Etablierung einer Single Source of Truth (SSOT) ist in diesem Prozess entscheidend. Durch die Schaffung eines einheitlichen Datenrepositories können Unternehmen ihre Omni-Channel-Messstrategien ohne die Fallstricke von Datenverdopplungen oder Inkonsistenzen vorantreiben.
Darüber hinaus ist die Implementierung geschlossener Omni-Channel-Metriken entscheidend für einen umfassenden Überblick über die Effektivität von Kampagnen. Diese Systeme ermöglichen es Unternehmen, die Auswirkungen aller ihrer Handelsmedienkampagnen auf die Geschäftsergebnisse zu messen und die Lücke zwischen Online- und Offline-Interaktionen zu schließen.
Herausforderung Die richtigen Werkzeuge, um die richtige Zielgruppe aufzubauen
Viele Plattformen verfügen nicht über ausgeklügelte Funktionen zum Aufbau von Zielgruppen, was die Fähigkeit der Marken einschränkt, hochgradig zielgerichtete Segmente für ihre Kampagnen zu erstellen.
Lösung
Es klingt einfach, aber der einzige Weg, dies erfolgreich zu tun, besteht darin, Ihr Team mit den Werkzeugen auszustatten, die es benötigt. Wenn es darum geht, Zielgruppen aufzubauen, die gut auf Handelsmediennetzwerken abschneiden, ist es wichtig, vollständige SQL-Funktionalität für komplexe Abfragen und benutzerfreundliche Schnittstellen für nicht-technische Nutzer zu haben. Sobald die richtige Zielgruppe genutzt wird, werden die Einblicke und Ergebnisse folgen.
Die Zukunft von First-Party-Daten und Commerce-Medien
Wenn wir in eine Zukunft eintreten, in der First-Party-Daten zunehmend wertvoll werden, stellen Einzelhandels- und Commerce-Mediennetzwerke eine entscheidende Gelegenheit für Vermarkter dar. Sie ermöglichen die fortgesetzte Nutzung von First-Party-Daten für Targeting, Messung und Optimierung, während gleichzeitig die Einhaltung von Datenschutzvorschriften und Datensicherheit gewahrt bleibt.
Durch effektives Werben in diesen Netzwerken können Vermarkter Herausforderungen des Signalverlusts überwinden und gezieltere sowie effektivere Werbekampagnen erstellen. Die Fähigkeit, die direkten Auswirkungen dieser Bemühungen zu messen und gleichzeitig stärkere Beziehungen zu Einzelhandels- und Commerce-Partnern aufzubauen, ist das Sahnehäubchen.
Fazit
Die Zukunft des Marketings hängt von der ethischen und strategischen Nutzung von First-Party-Daten ab, die zum Grundpfeiler effektiver Kampagnen und Produktentwicklung geworden sind. Während sich die digitale Landschaft weiterentwickelt, mit zunehmendem Fokus auf den Datenschutz der Nutzer und den Schutz von Daten, wird die Fähigkeit, First-Party-Daten zu sammeln, zu verwalten und zu nutzen, ein entscheidender Differenzierungsfaktor für erfolgreiche Vermarkter sein.
Indem sie die in diesem Leitfaden skizzierten Strategien und Best Practices befolgen, können Vermarkter:
- Vertrauen bei Nutzern durch transparente und konforme Datenpraktiken aufbauen
- Personalisiertere und ansprechendere Nutzererlebnisse entwickeln
- Effektivere und gezieltere Marketingkampagnen erstellen
- Treffen Sie datengestützte Entscheidungen, um die Leistung der App und die Zufriedenheit der Nutzer:in zu verbessern
Während Sie diese Strategien umsetzen, denken Sie daran, dass sich das Feld des Datenmanagements und des Datenschutzes ständig weiterentwickelt. Bleiben Sie über neue Vorschriften, Technologien und bewährte Verfahren informiert, um sicherzustellen, dass Ihre Strategie für Erstparteidaten langfristig effektiv und konform bleibt.





